Dienstag, 20. Oktober 2009

Zahnschmerzen

Schon mal welche gehabt? Zahnschmerzen? Ich hatte im Laufe meines Lebens schon öfter Zahnschmerzen. Zu meiner Schande muss ich gestehen, das ich kein guter Zahnpfleger bin. Ich putze meine Zähne nur einmal am Tag, manchmal zweimal. Deswegen bin ich inzwischen auch stolzer Besitzer einer Brücke im Wert von Zweitausendfünfhundert Euro, Eigenanteil. Und ein paar Kronen, und ein paar Plomben. Den Weg zum Zahnarzt finde ich in der Regel erst nach fünf bis sieben durchwachten Nächten, in denen auch die Einnahme von mehreren Schmerztabletten nicht mehr weiterhelfen.
Ganz Ehrlich, ich hasse Zahnärzte. Mein erster Zahnarzt im Leben war vermutlich ein umgeschulter Tierarzt. Die grob-freundliche Sorte mit Sprüchen wie "ein Mann kennt keinen Schmerz" womit ein damals zehnjähriger Knabe von schüchternem Wesen gemeint war, ich. Das hat mich und meine Meinung von Zahnärzten geprägt. Von den exorbitanten Verdienstspannen der Dentisten mal abgesehen muß ein Zahnarzt eine angeborene sadistische Ader besitzen. Wie machen das eigentlich Zahnärzte untereinander? Quälen die sich gegenseitig? Oder nur unter Vollnarkose? Nein, Vollnarkose glaube ich nicht. Zu groß wäre die Versuchung, einen Konkurrenten los zu werden. "Nu ja, er vertrug die Vollnarkose nicht...." könnte ein Statement danach sein. Sadismus und Masochismus liegen dicht beieinander. Das wirds sein. Denen macht beides Spass. Ich persönlich gehe inzwischen zu einer Zahnärztin. Aber denken Sie nicht, das diese Frau mit überdurchschnittlich viel Feingefühl ausgezeichnet wäre. Eine kleine, stämmige Person von etwa sechzig Jahren mit kaukasischer Abstammung. Sie weiss, das ich, ein Klotz von 130 Kilo und 190 cm Größe, in ihrer Hand bin. Ein hilfloses Bündel Mensch. Welch eine Macht. Natürlich ist Sie freundlich, fragt ob ich Nervös bin u.s.w. aber ich spüre das, dieses versteckte triumphierende Grinsen, während Sie die Spritze vorbereitet, all die anderen Folterwerkzeuge vor einem ausbreitet. Galileo Galilei wurden bei seinem Prozess in Rom die Folterkammer lediglich vorgeführt. Der damalige zuständige Folterknecht dachte sicher "....meine Kinder sollen es besser haben, die werden Zahnärzte...."
Wissen Sie, warum ich das Heute schreibe? Einer meiner Backenzähne macht sich bemerkbar, aber ich werde warten, so leicht kriegt "Sie" mich nicht.

Montag, 19. Oktober 2009

Mainuferfest 2009

Es ist mal wieder Sonntag, die Sonne scheint und in Frankfurt findet das größte Volksfest des Jahres statt. Grund genug für mich, meinen Roller aus dem Hinterhof zu holen und mich in den Trubel zu stürzen. Ein Roller ist ein unbedingtes Muss für einen Stadtbewohner. Mit dem Auto in die Innenstadt? Angenommen Sie finden einen Parkplatz, was an sich schon ans Unwahrscheinliche grenzt, kostet der ein Vermögen oder Sie parken unwissentlich oder wissentlich auf irgendeinem verbotenen Strassenstück. Dann kostet es erst recht viel. Also ein Roller. Schneller als Autos in der Stadt, kein Parkplatzproblem und bequemer als ein Fahrrad. Den öffentlichen Nahverkehr versuche ich zu meiden. Jeder der regelmäßig mit Bus, U- und S-Bahn unterwegs ist, wird mich verstehen.
Das Mainuferfest zieht jedes Jahr so etwa eine Million Menschen an.
Sonntags findet immer das Drachenbootrennen statt und das passt dieses Jahr auch zum Motto: Das Reich der Mitte. Auf der insgesammt über acht Kilometer langen Festmeile entlang beiderseits des Main finden sich Stände aller Kulturen, die sich in Frankfurt im Laufe der Jahrhunderte angesiedelt haben. Sehr stark vertreten sind die süd- und mittelamerikanischen Länder, aber auch Asien und Osteuropa. Die Frankfurter Vereine präsentieren sich und auf zahlreichen Bühnen singen Künstler aller Stilgruppen.
Wenn wie Heute das Wetter stimmt, ist das alles eine tolle Sache. Für Jemanden mit klaustrophobischen Anwandlungen könnte es allerdings an manchen Stellen "eng" werden. Zeitweise kommt man nur im Trippelschritt weiter und muß immer wieder aufpassen, das man nicht hinterrücks von Kinderwagen überrollt wird. Auch die Preise lassen im großen Schnitt wenig Spielraum. Bier ab drei Euro, Alkoholfrei so ab zwei Euro. Etwas härtere Sachen ab fünf Euro. Da ich in der D-Mark-Zeit aufgewachsen bin, rechne ich immer noch automatisch um und finde sechs Mark für eine 0,3 l. Flasche Bier schlichtweg zu viel. Auch die Speisen, wenn auch wirklich abwechslungsreich und interessant, liegen so bei ca. sechs Euro. Das sind ungefähr zwölf D-Mark. Eindeutig zuviel. Für mich als Junggeselle nicht wirklich ein Problem, für eine Familie ist es schon problematischer. Doch die Sonne lacht und freuen wir uns einfach an allem. Da ich das deutsche Wetter kenne, wird das einer der letzten schönen, warmen Tage dieses Jahres gewesen sein.

Samstag, 17. Oktober 2009

Wie man einen Geier fängt.


Bei meiner letzten Reise in die Karibik unternahm ich auch eine Bootstour auf einem Fluss.
Der Rio Yasica ist ein mittelgroßer Fluss, der in den Bergen zwischen der Nordküste und Santiago entspringt. Nach vielen Windungen mündet er dann in den Atlantik. Sehr malerisch.
Auf den letzten Kilometern, bevor das Süßwasser sich mit dem Salzwasser des Meeres auf der Nordseite der Insel Hispaniola vermischt, bieten mehrere Unternehmer Bootstouren an. Je nach Anzahl an Personen wird mit kleineren oder größeren Booten eine Tour veranstaltet. Es geht zuerst durch eine richtige Dschungellandschaft, vorbei an Mangrovenpflanzen, Lianen und was es sonst noch so gibt im Dschungel. Krokodile soll es auch geben, allerdings nicht in diesem Fluss. Lediglich an der Station, an der die Flussfahrt begann, hatte der Besitzer eine kleine Tierschow eingerichtet. Es gab Papageien, Vogelspinnen und eben auch ein Krokodil. Nicht allzu Groß, so etwa eineinhalb Meter lang. Das in einem kleinen Gehege eingepferchten Tier konnte einem Leid tun, war doch sein Wassertümpel nicht mal tief genug, das es komplett eintauchen konnte. Doch begeben wir uns wieder auf den Fluss. Wir waren eine kleine Gruppe von drei Deutschen und drei dominikanischen Damen sowie unserem Führer, ein Dominikaner mit erstaunlich guten Deutschkenntnissen. Unser kleines Boot war mit einer Kühlbox ausgestattet, in der reichlich Presidente, das einheimische Bier, untergebracht war. Das Problem des Verdurstens war damit gebannt. Während der Fahrt plapperte unser Bootsführer munter drauf los, erzählte dies und das, doch so richtig zuhören konnte ich nicht, faszinierte mich doch die Flusslandschaft wirklich sehr. Wir fuhren in einem gemächlichen Tempo zuerst den Fluss abwärts um dann nachher einen Nebenfluss hinauf zu fahren. Dieser Nebenfluss war breiter als der eigentliche Fluss Yasica, dafür sehr viel flacher. Während der Fahrt bemerkten wir weiter voraus einen Schwarm Geier am Himmel kreisen. Es waren so etwa dreißig bis vierzig Tiere, die Beständig über eine Stelle nahe am Fluss flogen. Vermutlich lag dort ein verendetes Tier. Unser Bootsführer schien erst nicht interessiert und behandelte die Angelegenheit mit etwas Gleichgültigkeit. Doch beim Näher kommen entdeckte Er etwas, was Ihn sehr lebhaft werden ließ. Auf einem abgestorbenen Ast, der im Wasser nahe des Ufer lag, saß ein junger Geier. Wir drei Touristen hätten dem keine weitere Beachtung geschenkt, unser einheimischer Führer erkannte aber sofort, das es sich um ein zwar fast erwachsenes Tier handelte, aber eben noch nicht Flügge. Der Geier musste wohl bei seinem ersten Flugversuch auf dem Ast gelandet sein und kam nun nicht mehr weg. Ich erinnerte mich dunkel, dass Geier beim Starten vom Boden so etwas wie eine kurze Startbahn benötigen. Also ein Losfliegen direkt aus dem Stand ging nicht.
Auch unser Bootsführer schien dies zu wissen und steuerte das Boot langsam auf den Ast mit dem Geier zu. Er ließ das Boot längs zu dem Ast treiben und schnappte quasi im Vorbei gehen den Geier mit geübtem Griff an den Flügeln. Die Gegenwehr des immerhin schon recht großen Tiers war erstaunlich gering. Ein schwacher Versuch mit den Flügeln zu schlagen, war alles. Unser Geierfänger band dem Tier die Füße zusammen und legte ihn auf den Bootsboden. Dann setzten wir unsere Reise fort. Das Tier blieb still. Nach einem ausgiebigen Bad an einer weiter oben gelegenen flachen Stelle fuhren wir mit dem Boot den Fluss hinunter bis zur Mündung. Dort landeten wir und aßen in einer Hütte zu Salsa-Musik köstlichen Fisch mit Reis, sahen den Brandungswellen des Atlantik zu und ich bemerkte erst jetzt, dass ich mir einen gewaltigen Sonnenbrand eingehandelt hatte. Edel wie ich nun mal bin, habe ich mein Hemd einer der Damen während des Badens zur Verfügung gestellt. In der darauf folgenden Nacht war nicht viel mit Schlafen. Ein gekochter Hummer sah gegen mich nur Blassrosa aus.
Wir kehrten zurück zum Boot und konnten feststellen, dass der Geier immer noch da war. Er schien auch nicht zu leiden. Es lag eher so was wie Gleichgültigkeit in seinen glänzenden schwarzen Augen. Vielleicht wusste dieses Tier aufgrund seines Wesens, das wirklich alles vergänglich war.
Nach der Rückkehr zu der Anlegestelle, an der unsere Tour begann, verabschiedete ich mich von den zwei anderen Deutschen und zwei der Damen, die Dritte war mit mir gekommen. Beim Abschied fragte ich den Bootsführer, was Er denn mit dem Geier machen wolle. Nun, der Geier werde an Tierhändler verkauft, das bringe so etwa fünfzig Dollar ein. Immerhin ungefähr ein Drittel eines Monatslohn hier auf der Insel.
Einige von uns übersättigten Europäer werden nun den Gedanken der Tierquälerei im Gehirn hin und her wälzen. Das Tier wurde nicht gequält und landet vermutlich in einem Zoo. Tausendmal besser, als ein Mastschwein in Deutschland zu sein.

Freitag, 16. Oktober 2009

Der Flug des Condor

In zwei Wochen fliege ich wieder nach Sosua. In die Karibik. In die wirkliche Wärme. Nicht unsere mitteleuropäische Pseudo-Wärme. An einem Tag Heiss mit hoher Luftfeuchtigkeit, am nächsten wieder runter auf unteres Mittelmass. Ich mag es nicht. Dummerweise verdiene ich hier mein Geld und zu meinem Leidwesen muss ich zugeben, das wir in Deutschland zwar das schlechtere Wetter haben, dafür aber eindeutig das bessere soziale und politische System, noch! Wir geben uns aber alle Mühe uns der Karibik anzupassen. Sowohl Klimatisch, siehe steigende Durchschnittstemperaturen als auch Politisch, siehe Korruption. Doch noch hat die Karibik in beidem, Temperatur und Korruption, die Nase vorn und Sie hat da was, was Deutschland in absehbarer Zeit nicht haben wird. Das blaugrüne Glitzern der karibischen See. Das letzte Mal war ich im Mai diesen Jahres in Sosua. Ich fliege immer mit der gleichen Fluggesellschaft dorthin, einfach deswegen weil Sie die einzigen sind, die einen Direktflug von Frankfurt nach Puerto Plata zweimal die Woche anbieten. Bei den anderen geht das nur mit Umsteigen, will ich möglichst nicht. Mein letzter Flug in die Karibik hatte es allerdings in sich. Abflugzeit in Frankfurt war fast Pünktlich. Wie immer vom Vorfeld, aus Kostengründen startet die C..... nicht vom Fingerdock. Wir waren denn nun schon einige Zeit in der Luft, ich hatte es mir gemütlich gemacht und beschäftigte mich mit dem bordeigenen Videosystem, als ein Steward zu mir kam und mir mitteilte, das wir aufgrund eines widerspenstigen Passagiers in der Economy-Class umdrehen und in Shannon, Irland, landen müssten. Wir befanden uns zu der Zeit bereits über dem Atlantik. Dieser Passagier hatte vor dem Abflug in der Duty-Free-Zone eine Flasche Wodka gekauft und diese komplett geleert. Ich könnte jetzt leise Kritik an den Sicherheitsvorschriften üben, denn witzigerweise darf der gemeine Passagier bei der Zollkontrolle maximal 10 x 100 ml. Flüssigkeiten in einem durchsichtigen Behältnis im Handgepäck mit sich führen. Danach aber im Duty-Free-Bereich einkaufen was das Zeug respektive die Einfuhrbestimmungen des Gastlandes hergeben. Ich weiss, man will den Sprengstoffschmuggel an Bord damit unterbinden, aber wer unterbindet besoffene Passagiere? Auf jeden Fall machten wir kehrt und kreisten dann eineinhalb Stunden über dem Flugplatz Shannon, um den Treibstoff abzulassen, da wir sonst zur Landung zu schwer gewesen wären. Nach Landung, Entsorgung des betreffenden Gastes durch die irische Polizei und Wiederbetankung, alles Zusammen nochmal zwei Stunden, machten wir uns nun wieder auf den Weg in die Karibik. Wir sassen nun schon 5 Stunden im Flieger und hatten nochmal 9 Stunden vor uns, Super. Wobei ich es als Business-Class-Passagier durchaus bequem hatte. Die Menschen in der Economy konnten einem Leid tun. Doch wir alle haben den Rest der Zeit überstanden und landeten auf dem Flughafen Puerto Plata, freuten uns an der karibischen Luft beim aussteigen, trabten zur Immigration, entlöhnten die 10 Dollar für das Visa und begaben uns zum Rollband, um unser Gepäck in Empfang zu nehmen. Die Meisten von Uns konnten das auch. Nur die Meisten. Scheinbar wurde in Frankfurt ein Wagen mit Gepäck schlichtweg nicht verladen und so standen nun etwa zwanzig betrübt blickende Passagiere um das Rollband und wartete auf Gepäck, das noch in Frankfurt stand. Darunter auch ich. Mit etwas angespannter Gemütsverfassung erledigten wir Gepäcklosen die Formalitäten und begaben uns dann in unsere Hotels. Zwei Tage später wurde das Gepäck nachgeliefert. Der Urlaub an sich war wie immer, Schön. Auch der Rückflug vierzehn Tage später verlief Problemlos, abgesehen davon, das ich in Frankfurt feststellen musste, das mein Koffer in Puerto Plata geplündert worden ist und diverse Dinge nun einen Dominikaner glücklich machten. Falls Sie denken, Mich würde das nun abschrecken, so liegen Sie falsch. Trotz allem, die Tage in der Karibik bringen meinen Geist, nicht unbedingt meinen Körper, wieder ins Gleichgewicht und das ist schon ein paar Missstände wert. Oder vielleicht versuchs ich mal per Schiff. Soll ja auch nur so drei Wochen dauern. Ich muss nur meinen Chef davon überzeugen, meinen Jahresurlaub zu verdreifachen.

Ein armer Poet


Natürlich heisst das "der arme Poet" und ist ein Bild von Carl Spitzweg. Für alle Unbedarften, man verzeihe meine aus Halbwissen geborene Arroganz, das ist ein Gemälde mit einem älteren Herren in einer schäbigen Dachkammer, der den eindringenden Regen mit einem Regenschirm abwehrt. Kein Geld bleibt dem armen Poeten für notwendige Reparaturen. Nur Leben für die Kunst.
Könnte ich mir für mich auch vorstellen. Nur nicht in Deutschland. Zu Nass, zu Kalt, zu Geordnet. Nun, ich bin ein Feigling geworden. Ich war mal mutiger. Habe vieles gewagt und noch mehr verloren. Nicht Geld. Geld betrachte ich nicht unbedingt als wertvolles Gut. Geld ist Mittel zum Zweck. Was ich wirklich immer mehr verlor und verliere ist das Vertrauen zum Menschen. "Du willst einen Freund? Kauf dir nen Hund!" Berühmter Satz aus "Wallstreet". Der hat was. Dummerweise muß ich in die Vertrauens-unwürdige Phalanx der Menschen mich selbst auch mit einberechnen. War ich schon immer so? Oder bin ich so geworden? Egal, zurück zum armen Poeten. Also meine Vorstellung davon wäre eine kleine Wohnung in Sosua. Aber mit Strom, ich kann nicht mehr ohne Laptop. Und Internet. Eine kleine Rente. Gerade soviel, das Miete, Strom und Wasser und ein bischen zu Essen bezahlt sind. Meine Güte, ist das zuviel? Ich habe jetzt schon dreissig Jahre Arbeit hinter mich gebracht und muß immer noch zehn Jahre warten bis ich eventuell, wenn es die dann noch gibt, in Altersteilzeit gehen kann. Dann bin ich 58 und ich fühl mich jetzt schon manchmal schlecht. Ich könnte so schön in der Karibik vor mich hinvegetieren. Ein bischen Schreiben " DIE MAHNENDE STIMME AUS DER KARIBIK". Ein paar Karikaturen von Touristen zeichnen, fürs Taschengeld. Da ich mir eine Krankenversicherung nicht leisten könnte, müsste ich auf meine Gesundheit achten. Nur noch Fisch, Obst und Gemüse. Viel Reis. Viel Bewegung, Auto ist auch nicht drin. Und Sonne, Meer, alles Gut für meine anfällige Haut. Meinen Bluthochdruck und all die Krankheiten die mein Arzt noch nicht endeckt hat. Wie gerne würde ich in die Fussstapfen von Douglas Adams, er schrieb die "per Anhalter durch die Galaxis" Reihe, treten oder ein würdiger Nachfolger von Paul Gauguin werden, halt Karibik statt Südsee.
Also sollte sich unter Ihnen jemand befinden, der mir eine kleine Rente von sagen wir mal so 600 bis 700 Euro im Monat spendieren will, nur melden. Aber ich sags gleich. Bei echter Kultur gibts selten ein "Return on Investment". Alles andere ist eh Kitsch.

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Cabarete


Ungefähr zwölf Kilometer in richtung Westen kommt man von Sosua aus nach Cabarete. Ein Paradies für Kite-Surfer. Der Ort selbst ist eigentlich recht einfach. Im Grunde handelt es sich um eine Durchgangsstrasse mit Häusern links und rechts. Der Ort ist in den letzten Jahren gewachsen und inzwischen gibt es auch ein paar Seitenstrassen und einige Siedlungen für Touristen. Doch eindeutig Dominierend ist der breite und circa 5 Kilometer lange Sandstrand. Der Strand fällt hier sehr flach ab und man kann sehr weit ins Wasser laufen, bevor einem das Wasser bis zum Hals steht. Zusammen mit einer stetigen Brise der ideale Ort für Surfer. Am Strand entlang gibt es jede Menge Surfschulen, Board-Verleih und natürlich Bars und Restaurants. Für den Sonnenanbeter oder Beterin sehr gut geeignet, schnell die entsprechende Angeber-Bräune zu erhalten.
Aber Cabarete hat genau wie Sosua auch eine Schattenseite, sprich Prostitution und Diebstahl sind leider auch hier an der Tagesordnung.
Es gibt kleine Hotels im Ort, in denen Zimmer schon ab 25 US-Dollar pro Tag vermietet werden. Teilweise liegen die Hotels direkt am Strand und man kann vom Zimmer aus das Meer geniesen. Auch Autovermietungen gibt es, allerdings tendiere ich persönlich dazu, mir einen Mietwagen direkt am Flughafen Puerto Plata zu mieten, da ich dann das Fahrzeug gleich übernehme und bei Abflug auch wieder abgebe. Die Mietwagenpreise an der Nordküste sind moderat und hängen wie überall vom Fahrzeugtyp ab. Am Flughafen habe ich schon mal einen Kleinwagen für 28 Dollar am Tag mit unbegrenzten Kilometern gemietet. Erst hinterher ist mir aufgefallen, das das Fahrzeug nicht versichert war, deswegen so billig. Aber Schwein gehabt. Vorsicht bei der Autovermietung Budget.
Ich lies wie üblich meine Kreditkarte mit einer Kaution belegen. Bei der Rückgabe des Fahrzeug versicherte man mir, das die Kaution innerhalb von acht Stunden gelöscht werde. Ich mußte volle 15 Tage warten, bis mein Kreditinstitut bei der monatlichen Abrechnung dann die Kaution automatisch löschte.
Doch zurück nach Cabarete, wo das Leben tobt. Viele junge Surfer fallen hier alljährlich speziell aus Kanada und Amerika ein und zur Hauptsaison im Dezember und Januar geht die Post ab. Wer also Halli-Galli mit Sport verbinden will, ich gehöre schon seit längerem nicht mehr dieser Klientel an, der ist in Cabarete gut aufgehoben.

Das leichte Leben


Der Traum vom leichten Leben in der Karibik ist nicht nur ein bloßer Traum. Eine Wahnvorstellung von leichtsinnigen Menschen oder Spinnern? Klar, diejenigen die sich ohne alles in die Karibik absetzten und dann dachten, ihr Leben schon Meistern zu können,wurden und werden bald eines Besseren belehrt. Ich habe selbst einige dieser gescheiterten Existenzen kennen gelernt und auch ich selbst habe nur knapp die Kurve vor einem totalen Absturz genommen.
Nehmen wir mal an, Sie bekommen nun das Bedürfnis, ihr Leben neu auszurichten. Sie lassen alles hinter sich, schnappen ihren Reisepass, kratzen ihr letztes Geld zusammen, kaufen ein Tiket und fliegen ab. Im Traumland angekommen ist erst mal alles Easy. Sie haben noch genügend Geld, finden auch schnell eine Unterkunft und denken, Sie stehen auf der sicheren, goldigen Seite des Leben ohne Alltagssorgen, Kälte und jeden Tag zur Arbeit. So im geheimen Träumen Sie von einem leichten Job irgendwo vielleicht im Tourismus etc. Wird sich schon finden. Noch aber sind Sie eher ein Tourist als ein Einwanderer ins gelobte Land. Das Geld fliesst kräftig durch ihre Finger und Ruckzuck sind Sie pleite, ohne Job, ohne Unterkunft, ohne Rückflugtiket und ohne Krankenversicherung. Jetzt geht es los.
Auf einmal bekommen Sie am eigenen Leib zu spüren, warum die Menschen hier so arm sind wie Sie eben sind. Sie stellen fest, das die Hitze des Landes ohne tägliche Dusche mit Heiss und Kalt-Wasser recht unerträglich sein kann. Die lange nicht gewaschenen Klamotten beginnen deutlich zu riechen und an manchen Tagen halten Sie eine handvoll gekochten Reis für eine fürstliche Mahlzeit. Aber Sie haben ja einen deutschen Pass und wirklich, damit stehen Sie immer noch weit besser da, als die meisten Einheimischen. Es ist aber nicht ganz einfach. Das nächste Konsulat wird Ihnen nicht einfach ein Tiket zurück ins blöde Deutschland mit all seinen nun urplötzlich so tollen Sozialleistungen bezahlen. Das Konsulat wird Sie fragen, ob Sie Verwandte oder Bekannte in Deutschland haben, die das Tiket bezahlen. Wenn dem nicht so ist: Pech gehabt. Solange keine Gefahr an Leib und Leben für Sie besteht, wird das Konsulat ihnen lediglich einen Anruf in Deutschland erlauben, das wars.
Dann stehen Sie da, in einem fremden heissen Land, dessen Bewohner auf einmal eine ganze Spur unfreundlicher sind, wenn Sie merken, das der weisse Mann aus Deutschland nichts mehr hat. Dabei können Sie noch froh sein, wenn es Sie in die Karibik verschlagen hat. Die Menschen hier sind im Grunde hilfsbereit und haben auch Mitleid.
Doch wie geht es anderst? Leider nicht Hals über Kopf. Planung ist alles. Einen Job zu finden ist schon schwer, wenn Sie nicht im Tourismus unterkommen können. Wenn Sie keine weltweit gesuchte Koryphähe in irgendeiner Sparte sind bleibt Ihnen nicht viel Auswahl. Die meisten Auswanderer mit einem für dortige Verhältnisse normalen Einkommen sind selbständig. Eine kleine Kneipe, eine Pension, das sind so die Dauerbrenner. Es gibt natürlich immer wieder Ausnahmen. Der Vorteil ist meist, ist aber von Insel zu Insel unterschiedlich, das die Investitionen geringer ausfallen als in Deutschland. Ganze Häuser bekommt man schon für Fünfzigtausend Euro oder die Inventarübernahme für ein gemietetes Geschäft liegt bei unter Zehntausend Euro.
Der Staat mischt sich in aller Regel auch nicht zu sehr ein und die Mieten fallen auch wesentlich geringer aus als in Deutschland. Auch die Lebenshaltungskosten liegen niedriger. Mit einem Monatseinkommen von etwa achthundert Euro kommen Sie in der dominikanischen Republik locker über die Runden. Aber immer daran denken, das Sie nicht mehr Tourist sind. Manche sagen sogar, das man mit fünhundert Euro noch gut Leben kann. Ich für meinen Teil werde spätestens als Rentner für immer in die DomRep ziehen. Die Krankenkassenbeiträge werde ich mir leisten können, da ich viel weniger Miete bezahlen muß und im Bedarfsfall ist sogar noch Geld für eine Pflegerin drin. Aber ich bin ja noch lange nicht alt und gebrechlich.
Nur mal als Beispiel, wie die Verhältnisse sind. Der normale dominikanische Arbeiter bezieht ein ungefähres Einkommen von hundertfünfzig bis zweihundert Euro pro Monat, lebt aber auch in weit ärmlicheren Verhältnissen. Der europäische Standard kostet natürlich mehr Geld, ist aber immernoch billiger als in Deutschland. Eine normale Zweizimmerwohnung mit Küche und Bad gibt es schon ab 250 Euro im Monat. Nebenkosten sind gering. Im großen und ganzen Lebt es sich einfacher in der DomRep und wenn man dann jeden Tag den gleichen Komfort genießen kann wie in Deutschland, dann ist das Leben in der Karibik einfach nur schön.

Africa-Caribean Festival Frankfurt


Vor acht Jahren war ich mal auf einem Festival hier in Frankfurt. Da es jede Menge Menschen aus der Karibik und Afrika in und um Frankfurt gibt, lag es nahe, das mal ein Festival der Africa-Caribean-Nations stattfand. Es war ganz angenehm, über ein Wochenende lang mit Ständen der verschiedenen Länder wo man echte afrikanische und caribische Speisen, sich Rasta-zöpfe wickeln lassen oder Trommeln kaufen konnte. Auf einer Bühne traten caribische und afrikanische Künstler auf.
Jetzt, acht Jahre später war ich wieder dort.
Damals wie Heute habe ich durch meine Reisen nach Kuba und in die dominikanische Republik einen Bezug zu den Menschen dieser Region. Es ist schön und es weckt sofort die Sehnsucht nach den karibischen Inseln. Aber wir sind in Frankfurt. Es ist zwar Sommer und zufällig angenehm warm, aber es ist nicht das Selbe. Die Menschen aus der Karibik sind zum Teil eingedeutscht, ihre Kinder sowieso.
Ich gönne es Ihnen, in einem Land zu leben, das soziale Sicherheit bietet. Aber Sie sind nicht mehr "die Afrikaner" und Sie sind nicht mehr "die Caribeans". Natürlich ist es die Musik, die ich auch auf Kuba hörte, die ich jetzt in Frankfurt-Rebstock-Park höre, nur ein paar hundert Meter entfernt vom Messegelände und nur drei Kilometer bis zur City mit all den Hochhäusern und Luxusläden. In der Karibik würde man das Meer riechen und faulendes Obst.
Ganz sicher ist so ein Festival für die Menschen eine gute Gelegenheit, ihre Heimat ein bischen zu präsentieren und vielleicht auch gute Freunde zu treffen. Aber Sie sind doch weit weg von Zuhause.

In meiner Bar

In meiner Bar, 7. August 2009


Ich beschreibe ihnen zuerst mal meine Bar in Sosua. Es ist nicht wirklich meine Bar, aber ich verbringe während meines Urlaubs eine menge Zeit darin.
Die Bar ist nach zwei Seiten offen, keine Fenster, keine Türen, ja nicht mal Gitter, nach Feierabend irgendwann morgens so um 1 oder 2 Uhr übernimmt ein Wachmann die Aufsicht. Die Getränke sind natürlich verschlossen.
Alles besteht aus dunklem Holz und hat schon ein paar Jahre auf dem Buckel. In die Bar integriert ist ein Zigarrenshop und davor stehen gemütliche Korbsessel mit kleinen Tischen wo man seine Zigarre schmauchen kann.
Aber die meisten hängen an der Theke. Hier geht es Abends meist hoch her. Die Gäste sind zum großen Teil Deutsche, Schweizer und ab und zu ein paar Engländer und Amerikaner. Natürlich finden sich immer auch ein paar DomRep-Schönheiten ein, da hier mehr Geld kursiert als in den Bars der Einheimischen.
Auch ich fand die Bar durch Zufall. Beim ersten mal in Sosua war ich noch in einem All-Inclusiv-Ressort untergebracht. Nach ein paar Tagen unter Familien bekam ich Lagerkoller und streifte durch Sosua auf der Suche nach einem Fernseher, da gerade Europa-Meisterschaft war. Ich fand den Fernseher im Bermuda. So heisst meine Bar. Ich bin dann den Rest des Urlaubs geblieben und auch die nächsten drei Urlaube verbrachte ich zumindest Abends mit wenigen Ausnahmen in der Bar.
Das Tolle daran ist, du hast das volle Insel-Leben um dich herum. Die Bar liegt in der Sündenmeile von Sosua, der Strasse "Pedro Clisante".
Die beiden Besitzer der Bar, ein Schweizer und ein Deutscher, kümmern sich abwechselnd um die Geschäfte. Auf die Beiden komme ich noch in einem späteren Blogg.
Aber die Bar ist eben die "Bar".

Schwitzen


Der normale durchschnittliche, übergewichtige, mit Bluthochdruck versehene deutsche Tourist schwitzt in der Karibik anderst. Die Umstände sorgen dafür. In der Regel ist der Deutsche als Urlauber auf der Insel, also mit jeder Menge Freizeit ausgestattet, es sei denn Er /Sie kommt in Begleitung oder gar mit Kindern. Im ersteren Fall sinkt der Erholungswert um lockere fünfzig Prozent, im zweiten Fall, mit Kinder, wird nicht mehr der Erholungswert gemessen sondern lediglich der Stressfaktor.
Ist der durchschnittliche deutsche Tourist also alleine, schwitzt Er nur der Hitze wegen. Immer ein bischen abgemildert durch eine Brise vom Meer oder Ventilator. Das Thema Air-Conditions lasse ich hier aussen vor, da ich die Dinger nicht vertrage. Regelmässig huste ich mir einen Wolf in so einem Kühlschrank-Raum.
Schwitzen in Deutschland bedeutet meist Schwitzen bei der Arbeit und Schwitzen mit hoher Luftfeuchtigkeit.
Schwitzen in der Karibik ist; lockere Kleidung, lässiges Schlendern, faul am Strand, im Pool, an der Bar oder im Bett rumfläzen und nichts Denken, selbst das ist Arbeit.
Denken muß genau dossiert sein. Man starrt aufs Meer hinaus und Denkt:" He, ich könnte jetzt schwimmen gehen, aber ich will gar nicht. Viel zu anstrengend."
So, nach diesem Gedanken muß wieder eine ganze Weile Schluss sein mit Denken sonst artet das aus. Es gibt natürlich gewisse Automatismen, die nicht zu verhindern sind. Kommt ein mit den richtigen Proportionen ausgestattes weibliches Wesen in das Blickfeld startet der Denkapparat automatisch. Aber das ist nicht wirklich schlimm, das ist eher so wie sich unbewusst kratzen.
Versetzen sie sich nun in diese Lage. Sie liegen am Strand, schauen aufs Meer hinaus, die Wellen spielen leise vor sich hin, ein bischen Wind bläst über ihren Körper, ab und an taucht eine Mulatta auf, die Sie mit einem kurzen Seitenblick bedenkt, das eiskalte Getränk steht Griffbereit, aber im Schatten, neben Ihnen.
Sie blicken auf ihren Körper und da rollen diese kleinen Schweisperlen gaaaanz langsam von ihrem Bauchnabel seitlich abwärts und Sie dösen vor sich hin mit unendlich viel Zeit. Das ist Schwitzen.

La Playa


Der Strand von Sosua hat gewisse Besonderheiten. Der eigentliche Standabschnitt, also der Bereich an dem man Faul und Träge rumliegt, ist nicht sonderlich breit, so im Mittel vielleicht 15 bis 20 Meter und ungefähr anderthalb Kilometer lang. Gleich dahinter zieht sich auf der ganzen Länge ein etwa 100 meter breiter Streifen Sand dahin, der mit Bäumen bewachsen ist und hervorragend Schatten bietet.
Innerhalb dieses, ich nenn ihn mal Strandwald, sind unzählige kleine Buden aufgestellt, die Souvenirs anbieten aber auch, das ist wohl wichtiger, Speisen und Getränke. Für den erbarmungslosen Strandlieger bietet sich damit auch eine lückenlose Nahrungskette an. Der für die Strandliegen zuständige junge Mann erfüllt auch alle Wünsche in Bezug auf Essen und Trinken.
Ich für meine Person ziehe den schattigen Bereich vor. Mein bevorzugter Platz sind die Plastiktische und Stühle vor Manni`s Bar. Auch eine kleine Bude, die von einem eingewanderten Schwaben schon viele Jahre bewirtet wird. Manni hat eine treue Stammkundschaft, die immer wieder zu Ihm kommt, wenn sie ihren Urlaub in Sosua verbringen. Manni`s Bier ist eiskalt, seine Speisen sind OK und es ist nicht allzu Dreckig. Ausserdem trifft man fast immer irgendwelche anderen Deutsche, wenn man das will und ab und zu auch eine hübsche Dominikanerin.
Für den Urlauber, der die Mitte zwischen "am Strand braten" und "volle Action" sucht, ist das keine schlechte Alternative. Sehen wir uns die Vorteile an;
Man sitzt im Schatten, ungestörter preisgünstiger Getränkefluss, wenn gewollt dann Kommunikation auf allen Ebenen und Aussicht auf Meer, Tanga, Boote u.s.w. Das hat doch was.
Abends schlendert man gemütlich von der Playa in die direkt angrenzende, nur ein paar hundert Meter entfernte, "sündige Meile" von Sosua. Oder erstmal ins Hotel, wie auch immer.
Ich kenne einige Leute,die auf diese Weise ihren Urlaub verbrachten und Glauben Sie mir; es hat Spass gemacht.

Ab in die Karibik


Ich will in die Karibik, jetzt, sofort, noch besser Gestern. Nicht das ich noch nie da war. Ich war schon auf Kuba und in Florida und die letzten zwölf Monate viermal in der dominikanischen Republik. Im September flieg ich wieder hin. Allein die Wärme der Subtropen, die dich bereits beim Aussteigen aus dem Flugzeug umfängt. Die Gerüche. Der Lärm der Domis. In einem Land zu sein, das "Kalt" bei 20 Grad plus definiert. Warmer Tropenregen.
Ok, Ok. Nicht alles ist Toll. Es gibt viele Missstände. Ich bin nicht Blind und das Touris wie ich eine ständige Versuchung für die armen Einwohner sind, habe ich schon am eigenen Leib erlebt.
Aber muß ich nun deswegen ständig mit gesenktem Kopf voll Reue durchs Leben gehen?
Nein, aber Sozialkritik soll nicht das Thema sein.
Ich will einmal, je früher desto besser, in der Dominikanischen Republik leben. Im Moment arbeite ich in Deutschland. Am Schreibtisch. Für eine große Fluggesellschaft, deswegen kann ich auch so häufig Fliegen.
Aber eines Tages möchte ich für Immer am Morgen in Sosua aufstehen, aus dem Fenster auf eine Königspalme oder Bananenstaude sehen. Keinen Gedanken darüber verlieren zu müssen, welche Jacke ich anziehe, weil ich keine Jacke mehr benötige. Oder Socken.
Ganz langsam die deutsche Hektik abzulegen und in den karibischen Mantel des "Manana" oder "Quizas" zu schlüpfen.

Sosua-Santiago

An meinem zweitletzten Urlaub ließ ich mich von einem Kollegen dazu überreden, von Sosua nach Santiago zu fahren. Morgens so um 10:00 Uhr fuhren wir in meinem Mietwagen los. Mein Kollege fuhr, da er die Strecke kannte.
Mein Kollege ist das Faktotum in der Bar, in der ich in Sosua meist abhänge. Thomas, so sein Name, lebt schon über ein Jahrzehnt auf der DomRep. Er hat schon längst keinen deutschen Pass mehr, allerdings soviel ich weiss auch keinen anderen. Egal, so nach ungefähr zwanzig Kilometer meldete sich mein überstrapazierter Magen. Die Schlaglöcher, das Bier, der Schnaps von Gestern Abend verlangten ihren Tribut und ich gab Mutter Erde in einem Schwall zurück, was ihr gehörte.
Danach gings besser. Wir fuhren durch geile Berglandschaften, hielten an einem Panorama-restaurant, wo ich mir den ersten Schluck des Tages gönnte und damit meine Magennerven entgültig beruhigte.
In Santiago chekten wir in einem billigen Hotel ein, wir wollten bis zum nächsten Tag bleiben, da Thomas hier seine Kinder besuchte, die mit seiner Ex-Frau in Santiago lebten.
Seine Ex lebte in einem noch ärmeren Viertel als unser Hotel. Wir brachten für die Kinder Geschenke mit, die wir kurz zuvor in einem Kaufhaus erstanden hatten.
Dann zogen wir mit den Kindern und seiner Ex-Frau, deren Namen ich vergass, weiter zum großen Denkmal von Santiago Ein großer Turm mit einem ihn umgebenden Park, darin waren überall skurile Plastiken aus Gips aufgestellt, die mit Bronze-Farbe bemalt waren. Naja, wenns gefällt. Wir machten die üblichen Fotos und zogen dann weiter, um die Kinder in einem MC-Donalds zu beglücken.
Später am Abend besuchten wir, die Kinder hatten wir Nachhause gebracht, noch die Ex-Schwiegermutter von Thomas. Eine attraktive Frau, obschon Sie mindestens fünf Kinder zur Welt gebracht hatte. Obwohl die meisten Dominikaner in Häusern wohnen, die ein deutscher Strebergärtner nicht mal als Werkzeugschuppen nehmen würde, legen die Frauen, Ausnahmen bestätigen die Regel, großen Wert auf Aussehen und Kleidung.
Nun, während des Besuchs bei Thomas Ex-Schwiegermutter, gabs noch Krach mit Thomas Ex-Frau, die mit uns noch um die Häuser ziehen wollte was wiederum Thomas nicht wollte u.s.w.
Auf jeden Fall zogen wir dann alleine los. In einem Lokal mit unglaublich lauter Musik assen wir zu Abend. Im großen und ganzen ist Santiago am abend ziemlich öde.
Auf einem Parkplatz, oder was auch immer das war, wurde Musik gespielt und getanzt. Hier tranken wir noch ein paar Bier und eine Domi mit reichlich Kurven, die uns das Bier brachte, lockte mir 100 Peso Trinkgeld raus indem Sie meinen Kopf quasi zwischen ihre recht großen Ballons parkte. Ich bin auch nur ein Mann.
Am nächsten Morgen fuhren wir bei strömendem Regen wieder zurück.
Fazit. Die Berglandschaft zwischen Sosua und Santiago ist großartig. Santiago selbst ist eigentlich nicht der Mühe wert.

Donnerstag, 15. Oktober 2009

Am Golde hängts, zum...........

Wie so oft bin ich Heute an einem meiner Lieblingsthemen. Wie kann man in der dominikanischen Republik relativ locker seinen Lebensunterhalt verdienen. Sollten Sie jetzt etwa vermuten, das ich Ihnen hier eine Lösung meines Problem, sprich Leben in der DomRep, präsentieren könnte, so liegen Sie falsch. Ich habe keine Ahnung, davon aber viel. Also, wie stehts um mich. Im besten Fall kann ich in zehn Jahren in Alterteilzeit gehen, vorausgesetzt diese jährlich diskutierte Form der Frührente besteht dann noch. Das ist der am weitesten entfernte Zielpunkt, der zu erreichen wäre. Ich könnte alles Stehen und Liegen lassen und ohne Alles am Strand von Sosua leben. Vielleicht als Handlanger für die Budenbesitzer ein paar Peso nebenher verdienen. Ansonsten nur so rumlungern, von der Hand im Mund u.s.w. Neeee, nicht wirklich. Dafür bin ich zu alt und zu verwöhnt, vor allem zu verwöhnt. Ein Banküberfall? Dann sofort mit den erbeuteten Millionen ab nach Sosua? Nur wo werden denn noch Millionen offen rumgetragen? Auf jeden Fall nicht auf Banken. Wenn doch dann hinter Zeitschlossgesicherten Safetüren. Ich stelle mir gerade vor, wie ich und der von mir als Geisel genommene Bankdirektor ungeduldig vor dem Safe stehen und ich mit quengeliger Stimme ständig wiederhole "wie lange noch, wie lange....." Also dazu fehlt mir auch der Nerv. Eine Kneipe übernehmen? An sich kein größeres Problem, die Schwierigkeiten beginnen erst später. Da ich in achtundvierzig Jahren meine Natur kennen gelernt habe, weiss ich das der beste Kunde in kurzer Zeit ich selber sein werde. Seltsamerweise trinke ich in Deutschland so gut wie nie Alkohol, verwandle mich aber im Urlaub durchaus mal zum wüsten Orgiensäufer. Das ginge also auch nicht gut. Wie ist es denn mit einer Pension. Hört sich im ersten Moment vernünftig an, aber ich fürchte, ich komme vom Regen in die Traufe. In meiner jetzigen Tätigkeit betreue und qualifiziere ich unsere Mitarbeiter und Auszubildenden. Das kann schon mal Nervig sein, wenn der entsprechende Kandidat nicht so richtig begreifen will, um was es geht. Dazu noch eine ganze Ladung mittleres Management, das es im Grunde befürwortet, wenn die Mitarbeiter weiter qualifiziert werden, aber sofort klagt wenn dieselben Mitarbeiter wegen eben der Qualifizierung ausgerechnet Heute, wo soviel los ist, nicht mitarbeiten. Eine Pension ist in ihrer Natur ähnlich. Zahlende Gäste, die nicht immer Pflegeleicht sind. Gäste, deren Auffassung von Ordnung und Sauberkeit nicht mit der Meinigen übereinstimmt, was durchaus im Bereich des Wahrscheinlichen liegt. Ältere Jungesellen sind nicht immer Meister Propper. Fällt also auch aus. Es gibt keine richtig funktionierende Post in der DomRep. Ich könnte eine Aufbauen. Ist ein bischen hoch gegriffen. Bliebe noch als Strassenkarikaturist den Touristen meine Zeichnungen zu verkaufen. Aber irgendwie passt in meiner Vorstellung das ganze nicht ins Bild. Lauter dunkelhäutige Perlen- und Muschelverkäufer und andere Strassenhändler und Künstler und zwischendrin ein dicker Deutscher? Ich werde wohl weiter überlegen müssen. Sollten Sie zufällig eine gute Idee haben, die Sie nicht selber brauchen, nur her damit, ich nimm alles.